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Tradition vs. Moderne

Heute nehme ich mir einmal einen ganz speziellen Weinvergleich vor. Es werden zwei Weine verkostet. Das Besondere daran ist die Tatsache, das nicht nur Jahrgang, Rebsorte und Weingut identisch sind; sondern dass hier Eltern und Töchter gegeneinander antreten!

Die Familie Renner ist beheimatet im Örtchen Gols am Neusiedlersee. Bewirtschaftet werden die ca. 13h Rebfläche gemeinsam von Birgit & Helmuth mit ihren Töchtern Stefanie & Susanne. Die Eltern arbeiten eher konventionell (aber auch seit 2012 biologisch-organisch), während die Töchter den modernen Weg suchen und unter ihrem Label „renners

istas“ Naturweine herstellen (unfiltriert und ungeschwefelt). Ironischerweise ist der moderne Trend, oder besser gesagt, die moderne Bewegung „Naturwein“ eher etwas traditionelles, da er sich auf sehr historische Methoden des Weinbaus besinnt.

Also brechen wir dieses Tasting mal herunter auf: Tradition vs. Moderne! (im vollen Bewusstsein darüber, dass dieser plakative Ausspruch nicht allen Facetten der beiden Weine gerecht wird) 🙂

Nun denn, was haben wir also im Glas? Jeweils einen Chardonnay aus dem Hause Renner. Der eine von Helmuth Renner und der andere von den rennersistas (Stefanie und Susanne).  Der eine „konventionell“ hergestellt, der andere als Naturwein.

(Große Bildansicht: klick hier)

Beginnen wir mit Helmuth Renner: Wow, in der Nase sofort die volle Frucht! Steinobst (Aprikose, Pfirsich), Honig, kandierte Orangenstückchen und hinten raus leicht rauchig (durch das gebrauchte Barrique). Im Mund wieder Pfirsich, der von einer weichen und auskleidenden Textur getragen wird. Die 13% Alkohol sind super eingebunden und geben dem Wein einen kräftigen Körper. Die dezente Säure macht ihn dennoch nicht zu schwer.  Ein langes Finish rundet das Ganze ab.

Fazit: Ein weicher, fruchtbetonter Chardonnay der trotz Barrique nicht zu wuchtig ist. Elegant und cremig! Für alle, denen die kalifornischen Chardonnays zu fett sind.

So, nun zu den Töchtern: Jetzt wird’s spannend. Der erste Unterschied, nämlich die trübe Farbe, sticht direkt ins Auge. Gut, wir haben ja auch einen Naturwein im Glas. In der Nase fällt die Frucht wesentlich dezenter aus; Birne, Mandelblüte und Wiesenkräuter. Nach etwas mehr Luft kommen plötzlich sehr warme Töne nach Orangenzesten und Bratapfel zum Vorschein (!Memo an mich: den Wein mal zum Plätzchen backen trinken!) So, weiter geht’s: Am Gaumen ist der Wein frisch und zupackend. Man schmeckt viel junge Frucht (Apfel, Birne). Das Säurespiel ist präsent und trägt den Wein zu einem langen Finish mit wärmender Kräuternote. Und das bei schlanken 11,5% Alkohol. Klasse!

Fazit: Ein knackiger, fordernder Chardonnay der eine große Bandbreite an verschiedenen Aromen besitzt und in mir irgendwie die Vorfreude auf Weihnachten geweckt hat 😉

Ich muss gestehen, ich habe mich bisher mit Naturweinen immer etwas schwer getan. Oft waren sie mir zu sperrig, zu kantig und zu „grün“. Doch der Chardonnay de rennersistas hat einen tollen Trinkfluss und ist unglaublich spannend.

Das Ergebnis: Was bleibt jetzt als Ergebnis festzuhalten? Hat die Moderne über die Tradition gesiegt? Jung gegen alt? Alles Quatsch! Beide Weine sind auf ihre eigene Art eine Klasse für sich. Für ein Familienweingut kann es eigentlich nichts besseres geben als zwei Weinlinien zu besitzen, welche sich gegenseitig ergänzen, erweitern und zu einer unglaublichen Vielfalt beitragen.

Wir werden noch viel von den Renners‘ hören und das absolut zurecht!

 

 

 

 

 

 

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